Nachhaltige Logistikarchitektur im Großmaßstab
Mit dem dm Verteilzentrum Kronstorf entsteht eines der größten und modernsten Logistikbauprojekte Österreichs. Der rund 43.000 m² große Neubau kombiniert hochautomatsierte Intralogistik mit einer klar strukturierten, nachhaltigen Architektur in Holz-Hybrid-Bauweise. Als internatonale Drehscheibe entlastet der Standort das bestehende Verteilzentrum in Enns und stärkt die logistische Vernetzung innerhalb der dm Ländergruppe. Hohe ökologische Standards, ein ganzheitliches Energie- und Freiraumkonzept sowie die angestrebte ÖGNI-Gold-Zertifizierung machen das Projekt zu einem Vorzeigeprojekt für zukunftsorientierte Logistikarchitektur.
Fotos: © dm / Wolfgang Lienbacher
Rendering: © freedimensions.at / arinco.at
Projektbeschreibung
Das dm Verteilzentrum in Kronstorf ist ein Paradebeispiel für funktionale Logistikarchitektur im Großmaßstab. Es entsteht ein hochautomatisiertes Verteilzentrum, das künftig auch internationale Warenströme, zunächst nach Italien und Slowenien, abwickelt. Mit einem Investitionsvolumen von 230 Millionen Euro ist es die größte Einzelinvestition in der Geschichte der dm Ländergruppe.
Herzstück ist ein Shuttle-Behälterlager mit 260.000 Stellplätzen für täglich bis zu 120.000 Kleinteil-Bestellpositionen. Ergänzt wird es durch Palettenlager mit bis zu 60.000 Normalteil-Bestellpositionen pro Tag, robotergestützte Kommissioniersysteme und 80 fahrerlose Transportsysteme. Klare Hallenstrukturen, optimierte Spannweiten und flexible Gebäudekubaturen sichern effiziente Materialflüsse und langfristige Nutzbarkeit.
Die Holz-Hybrid-Konstruktion, extensive Dachbegrünungen sowie ein 6.000 m² großer ÖKO-Grünpark reduzieren den ökologischen Fußabdruck. Photovoltaikanlagen mit rund 4.600 Modulen erzeugen jährlich 2,31 GWh Strom, ergänzt durch Geothermie, Wärmepumpen und bauliche Vorsorge für Energiespeicher. Rund 300 Arbeitsplätze profitieren von einem integrierten Mobilitätskonzept inklusive E-Ladestationen.
Leistungen arinco
Generalplanung mit Vorentwurfs-, Entwurfs- und Einreichplanung mit Statik, Haus- und Elektrotechnikplanung, Bauphysik, Landschafts- und Brandschutzplanung. Begleitung bei den Behördenverfahren inkl. UVP-Feststellungsverfahren.
Allgemeines & Facts
Städtebauliche Einbindung und Standortqualität
Das Verteilzentrum entsteht im Gewerbegebiet der INKOBA Kronstorf–Hargelsberg. Trotz der baulichen Dimension des Bauvolumens war es eine wesentliche Aufgabe der Planung, den Baukörper zu gliedern und in die Umgebung einzubetten. Großzügige Grünräume, ein reduzierter Versiegelungsgrad sowie begrünte Dachflächen tragen dazu bei, die visuelle und ökologische Wirkung des Gebäudes zu minimieren und den Standort nachhaltig aufzuwerten.
Am südlichen Grundstücksrand wird ein großer ÖKO-Grünpark mit Retentionsflächen und Biotopcharakter realisiert. Dieses Freiraumkonzept folgt den Prinzipien des „Nationalpark Garten“ und verbindet ökologische Funktionalität mit hoher Aufenthaltsqualität.
Architektur als Hülle für hochautomatisierte Prozesse
Die architektonische Planung basiert auf einem klaren funktionalen Ansatz: Das Gebäude wurde konsequent um das hochkomplexe Intralogistik-Gesamtkonzept herum entwickelt. Ein hochautomatisierter Shuttle-Behälterlager wird durch Palettenlagerbereiche, modernste Kommissioniertechnik, robotergestützte Systeme sowie fahrerlose Transportsysteme ergänzt.
Die Architektur schafft dafür eine präzise, robuste und zugleich flexible Gebäudestruktur. Klare Raster, optimierte Spannweiten und eine effiziente Tragwerksplanung ermöglichen die Integration der technischen Systeme und sichern langfristige Anpassungsfähigkeit an zukünftige logistische Anforderungen.
Architektonische Herausforderungen in Entwurf und Einreichphase
Bereits in der Entwurfs- und Einreichphase stellte das Projekt außergewöhnlich hohe Anforderungen an die architektonische Planung. Die zentrale Herausforderung lag in der Balance zwischen den enormen Dimensionen eines hochautomatisierten Logistikzentrums und den gestalterischen, städtebaulichen sowie behördlichen Rahmenbedingungen.
Komplexe technische Abläufe, große Gebäudehöhen und weit gespannte Hallenstrukturen mussten mit Themen wie Baukörpergliederung, Fassadengestaltung, Brandschutz, Emissionen, Verkehrsführung und Umweltauflagen in Einklang gebracht werden. Besonders anspruchsvoll war die enge Abstimmung zwischen Architektur, Tragwerksplanung, Intralogistik und Haustechnik, da funktionale Änderungen unmittelbare Auswirkungen auf Gebäudeform und Kubatur hatten.
In der Einreichphase galt es zudem, die hohen ökologischen Zielsetzungen – etwa hinsichtlich Flächenversiegelung, Regenwassermanagement, Energieversorgung und Begrünung – planerisch präzise nachzuweisen und mit den behördlichen Anforderungen abzustimmen. Durch integrale Planung und intensive Koordination aller Beteiligten konnte ein genehmigungsfähiges Gesamtkonzept entwickelt werden, das Funktionalität, Nachhaltigkeit und architektonische Qualität vereint.
Nachhaltige Bauweise und ökologische Verantwortung
Ein zentrales LeitmoƟv des Projekts ist nachhaltiges Bauen. Das Verteilzentrum wird in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, wodurch der CO₂-Fußabdruck gegenüber herkömmlichen Stahlbetonkonstruktionen signifikant reduziert wird. Extensive Dach- und Fassadenbegrünungen verbessern das Mikroklima und tragen zur ökologischen Ausgewogenheit des Standorts bei.
Angestrebt wird eine ÖGNI-Zertifizierung in der Kategorie GOLD, die den hohen Qualitätsanspruch in Planung und Ausführung unterstreicht.
Energie- und Mobilitätskonzept
Die Energieversorgung des Standorts basiert auf einem ganzheitlichen, zukunftsorientierten Konzept. Auf Dachflächen, Freiflächen und PKW-Stellplätzen werden über 4.600 Photovoltaikmodule installiert, die einen wesentlichen Teil des Energiebedarfs abdecken. Beheizt wird das Gebäude über geothermische Kollektoren und Luftwärmepumpen, ergänzt durch bauliche Vorsorge für einen großvolumigen Energiespeicher.
Ein umfassendes Mobilitätskonzept mit E-Ladestationen fördert nachhaltige Anreiseformen für Mitarbeitende und Besucher.
Regionale Wertschöpfung und partnerschaŌliche Umsetzung
Bei der Realisierung des Projekts wurde besonderer Wert auf die Zusammenarbeit mit regionalen und österreichischen Partnern gelegt. Von der baulichen Umsetzung über die technische Gebäudeausrüstung bis hin zur logistischen Gesamtausstattung arbeiten zahlreiche Unternehmen aus Oberösterreich und den angrenzenden Regionen am Projekt mit.
Diese partnerschaftliche Herangehensweise stärkt nicht nur die regionale Wirtschaft, sondern ermöglichte auch kurze Abstimmungswege und eine hohe Planungs- und Ausführungsqualität.
Ein Logistikbau mit Vorbildwirkung
Das dm Verteilzentrum Kronstorf steht für eine neue Generation von Logistikarchitektur:
hochautomatisiert, nachhaltig, wirtschaftlich und architektonisch klar strukturiert. Das Projekt zeigt, wie industrielle Großbauten durch integrale Planung, ökologische Verantwortung und gestalterische Qualität zu zukunftsfähigen Infrastrukturen werden können.